Zu Beginn der Achtziger waren Remixe vor allem Extended Versions, manchmal auch sogenannte Dub Mixe, beides in Anlehnung an (Italo) Disco. Der DJ als eigenständiger Künstler war längst nicht in Sicht, stattdessen war meist ein Produzent für die Maxi Version zuständig, und zwar oft der eh engagierte, manchmal ein anderer, Studio-Mitarbeiter. Schaut man einmal bei Die Geschichte des Depeche-Modus nach, so findet sich ein erster Remixer im heutigen Sinne bei Master and Servant, und zwar Adrian Sherwood von ON-U Records, der sonst u.a. Mark Stewart produzierte. Damit begann eine lange Geschichte der De- und Rekonstruktion des eigenen Werkes.

Experimentelle DIY-Mixe – und dann doch US-Chartsfutter

Im Gegensatz zu anderen Bands wie New Order oder The Human League blieb Depeche Mode nach dieser Ausnahme erst einmal wieder den Hausproduzenten treu. Stattdessen gab es viele andere Versionen von Something to Do, Stripped, und A Question of Lust. Einzig ein Freund des Hauses namens Flood durfte bei letzterem Stück und Shake the Disease mal ran, ebenso Robert Margouleff – vorher u.a. Stevie Wonder (!) und Devo – bei den US-Mixen für But Not Tonight. Die Remixe von Phil Harding und Rico Cunning für A Question of Time waren weniger radikal als manche von Band und Hausproduzenten selbst gefertigte. Aber das schien nicht mehr zu genügen. Kurz darauf legen Bomb the Bass Hand an Strangelove – und die Remix-Ära beginnt genau zum eigentlich eher ironisch betitelten Music for the Masses.

Öffentliches Eigentum der Clubs und Stadien(?)

Wer 101 gesehen hat und weiß was folgte, kann nicht unterschätzen, was der weltweite Megaerfolg für Band und Umfeld bedeutete. Den sicheren Hafen Mute Records gab es so nicht mehr, sondern man hatte quasi Madonna-Status. Der Druck auf die Band, auch als Musiker und Komponisten, wurde unfassbar groß. Der Ausweg: Bei Alben zusehends die eigene Handschrift pflegen und erweitern sowie gleichzeitig das Material auch freigeben. Von passenden Stücken wie Enjoy the Silence und Policy of Truth gab es bereits unzählige Remixe, ganze Alben sollten folgen.